Traum

Auf einer Postkarte mit dem Motiv beschreibt Fidus 1936 die Farbgebung des Gemäldes:

Aus violetter Dämmerung in bläuliches Licht aufsteigend, kupferfarbene Haut, tiefblaue Astralblüten in welche goldene Sterne sinken. Schlange wieder kupfrig, Polypen auf Goldgrund, Rahmen Satinholz.[1]

Denkbar ist, dass die Tiere als Vertreter maritimer Urwesen Hinweis auf die darwinistische oder monistische Vorstellung der Entstehung der Arten sind und im Bild Eckpfeiler oder Marksteine der Schöpfung darstellen.

Mit der Bildform des Tondo spielt das Bild Traum ebenso direkt auf die Tradition von Marienbildern an wie mit den Farben Blau, Rot und Gold. Als Pendant zum Grollenden Luzifer, den Fidus in den Kleinen Lebenserinnerungen fälschlicherweise auch als grollenden Michael bezeichnet, kann es als ein säkulares Bild der Verkündigung oder der Empfängnis unter Einbezug monistischer, theosophischer oder einfach naturwissenschaftlicher Positionen interpretiert werden.

Traum, in: Sphinx, Bd. 17, Juli 1893, Nr. 89, gegenüber S. 32.

[1] Die Karte, die wahrscheinlich aus dem Nachlass des Grazer Schriftstellers Fritz List stammt, wurde im Sommer 2008 bei eBay versteigert.

Letzte Ãnderung: 13. Februar 2022